Aktuelle Veranstaltungen

Die DGNet organisiert bzw. beteiligt sich derzeit aktiv an folgenden Veranstaltungen:

  1. Call for Papers - Interdisziplinäre Tagung „Netzwerke – Performanz – Kultur“
    Konferenz Termin: 12.-13. Dezember 2019, Bayreuth
    Den Call for Papers finden Sie hier

  2. Workshop „Netzwerkanalyse“ und Panels auf der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP)
    Konferenz Termin: 06.-18. September 2019, Düsseldorf

Bisherige Veranstaltungen der DGNet

  1. Kurztreffen, Get-Together und Brainstorming „Aus SoNegU.net wird SoNeGe“ am 13.03.2019 in Berlin (auch kurzfristige Teilnahme möglich)
    Die Einladung finden Sie hier

  2. Wissenstransfer und Wissensproduktion in Netzwerken und ihre Untersuchung mittels Netzwerkanalyse
    Konferenz Termin: 28 - 29 März 2019, Aachen
    Das Tagungsprogramm finden Sie hier
    Anmeldungen bis zum 20. März 2019 bitte per Mail an DGNetRWTH@gmail.com

  3. Kirche relational! - Tagung zu sozialen Netzwerken von und in christlichen Organisationen
    Konferenz Termin: 07 - 08. Januar 2019, Freiburg
    Den Tagungsbericht finden Sie hier

  4. Tagung der deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung
    Konferenz Termin: 03 - 04. Dezember 2018, Darmstadt

    Den Tagungsbericht finden Sie hier

  5. Netzwerke und Soziale Arbeit - Workshop des Arbeitskreises Netzwerke und Soziale Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung (DGNet)
    Workshop Termin: 25. - 26. Oktober 2018, Darmstadt

  6. Arbeitskreis „Organisatorische Netzwerkforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung
    Workshop Termin: 27-28. September 2018, Jena

  7. Workshop Qualitative Methoden in der Netzwerkforschung
    Workshop Termin: 13. - 14. September 2018, Nürnberg
    Tagungsbericht

  8. Social Networks in Space
    Global Conference on Economic Geography, University of Cologne
    24-28. Julie 2018, Köln

  9. Second International Workshop on Modeling, Analysis, and Management of Social Networks and their Applications
    Februar 2018, Erlangen
    http://www.mmb2018.de/ws_sn.html

  10. Workshop Kultur, Stadt und Netzwerke
    18.-19. Januar 2018, Schader-Forum, Darmstadt

  11. Third European Conference on Social Networks (EUSN2017) 
    September 2017, Mainz
    http://www.eusn2017.uni-mainz.de/

  12. Workshop des AK Organisatorische Netzwerkforschung
    Oktober 2017, Heidelberg

Tagungsbericht: Kirche relational!

Soziale Netzwerke von und in christlichen Organisationen

Am 7./8.1.2019 veranstalteten SIMON RUSCHER (FRIAS Freiburg) und MIRIAM ZIMMER (zap Bo-chum) an der Universität Freiburg die Tagung „Kirche relational! Netzwerke von und in kirchlichen Organisationen“. Ziel der Tagung war ein interdisziplinärer Austausch über die Projekte und Stu-dien die sich mit Kirche aus einer relationalen Perspektive beschäftigen. Erfreulich war zunächst die breite Interdisziplinarität und Interkonfessionalität der Beiträge.

Nach einer organisatorischen und thematischen Einführung durch MIRIAM ZIMMER und SIMON RUSCHER behandelte der erste Themenblock Netzwerke von Kirchengemeinden. Im Eingangsvortrag ging es um die Kooperation von Diakonie und Kirche. DANIEL WEGNER weist in diesem Zusam-menhang auf die Diskrepanzen hinsichtlich der unterschiedlichen Aktivitätsintensität von Koope-rationspartnern in Netzwerken hin. Kooperationen sind dabei oftmals im hohen Maße personen-abhängig. Sie entstehen in der Regel im informalen Kontext. Gerade in der Gemeinwesendiakonie zeigt sich eine Kluft zwischen professionellen und ehrenamtlichen Akteuren. HILKE REBENSTORF referierte zum Zusammenhang von Kirche und Zivilgesellschaft. Anhand qualitativ gewonnener egozentrierter Netzwerkkarten von Kirchengemeinden identifizierte sie dabei eine Reihe von Netz-werktypen und schloss daraus auf ihre zivilgesellschaftliche Relevanz von Kirche im Sozialraum. Eine Kirche als Netzwerk pastoraler Orte und Ereignisse untersuchte Tobias Dera und kombinierte netzwerktheoretische Zugänge mit dem Evangeliumsbegriff. Mithilfe von flanierenden Interviews an Orten, die für seine Interviewpartner eine lebenstragende Bedeutung haben, deckte er narrative Zuschreibungen pastoral bedeutsamer Bezugspunkte auf und stellte sie in einen symbolischen Netzwerkzusammenhang.

Die Perspektive spitzte sich im zweiten Themenblock regional zu. Nun stand die Analyse von Netz-werken von Kirche im Kontakt von Regionalentwicklungsprozessen im Zentrum. CHRISTINA WEYER-HÄUSER richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Sepulkralkultur in vorwiegend länd-lichen Regionen. Hierbei stellte sie die soziale Interaktion bei Beerdigungs- und Trauerfeiern in den Mittelpunkt. Vor allem die dörfliche Struktur zeichne sich diesbezüglich durch weitgehend homogene und stabile Netzwerksverbindungen aus. Einen historisch-quantitativen Zugang vertrat MALTE DOEHNE. Auf der Grundlage zwei großer Datensätze untersuchte er Netzwerkmechanis-men lokaler Wissens-Spillover am Beispiel von Klostergründungen im Zeitraum von 1000 bis 1900 n. Chr. Ordensgemeinschaften leitsteten dabei einen beträchtlichen Beitrag zu regionalen Innovationsprozessen. MARTIN WAßINK beschloss das zweite Themenfeld mit einem Vortrag zum nordostbayrischen Strukturwandel und dem Beitrag von Kirche in diesem Regionalentwicklungs-prozess. Dabei stellte er die Bedeutung kooperativer Dörfer ins Zentrum.

Die Tagung schloss am Folgetag mit einem Panel zur relationalen Kirchentheorie. BJÖRN KRAUS stellte seinen Ansatz einer relationalen konstruktivistischen Theorie zur Sozialen Arbeit vor. Etwa für die Kinder- und Jugendhilfe entscheidend: Erkenntnistheoretisch könne man nicht unmittelbar auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zugreifen, sondern ist – relational konstruktivis-tisch – auf das Zueinander von subjektiv empfundener Lebenswelt und intersubjektiv wahrnehm-barer Lebenslage angewiesen. FELIX ROLEDER präsentierte zwei Forschungsperspektiven. Zum ei-nen stellte er die Vollnetzwerkerhebung der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD

Kirche relational! Soziale Netzwerke von und in Kirche

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16.01.2019

vor. Methodisch wurden hierfür evangelische Gemeindemitglieder hinsichtlich ihrer religiösen Kommunikationsbeziehungen, ihrer Alltagskontakte und kirchlichen Bezugspersonen befragt. Zum anderen stellte er Thesen zur Verknüpfbarkeit von Netzwerkforschung und Kirchentheorie vor und betrachtete dabei Aspekte wie Sozialvertrauen, Freundschaftsnetzwerke und Beziehungs-qualität. MIRIAM ZIMMER stellte ein Rollenmodell professioneller, kommunaler Netzwerke vor. Auf der Basis von zwei Forschungsprojekten konnte sie Egonetzwerke professioneller Akteurinnen ty-pisieren. Mit Hilfe rollentheoretischer Erwägungen entwarf sie sechs typische Rollenbilder der Ver-netzung im kommunalen Sozialräumen. Abschließend holte SEBASTIAN KIEßIG die Netzwerkdi-mension in einer theologischen Betrachtung ein. Nach einer Vorstellung des Konzepts der Com-munio-Ekklesiopraxie wies er auf bereits anfängliche Rezeptionen des Netzwerksbegriffs in lehr-amtlichen Dokumenten hin. Dabei formulierte er Anfragen der Netzwerktheorie an die Commu-nio-Theologie und macht auch auf theologische Überhangsprobleme des Netzwerkgedankens auf-merksam.

Die Tagung zeichnete sich durch eine sehr offene und diskussionsfreudige Atmosphäre aus, die der eines Forschungskolloquiums ähnelte. Dadurch entstand ein reger Austausch zwischen den Referenten und Gästen der Tagung. Insgesamt profitierte die Tagung von ihrer interdisziplinären Konzeption und der daraus folgenden komplexen Auseinandersetzung mit dem Thema. Dies er-möglichte für alle Teilnehmer*innen neue Perspektiven auf ihre Forschungen. Common sense: die Sozialform Kirche eignet sich für gut für interdisziplinäre Betrachtungen und ist vielfältig an-schlussfähig. Auch zentrale Herausforderungen wurden benannt. Zum einen sind im interdiszip-linären Austausch die Definitionen und Konzeptverständnisse sehr divers. Es bedarf damit immer einer deutlichen Begriffsklärung. Gerade in den theologischen Debatten scheint besteht weiterer innerdisziplinärer Forschungs- und Begründungsbedarf für die Adaption des sozialwissenschaftli-chen Netzwerkbegriffes. Hier zeigten sich Problemhorizonte bei der – notwendigen – Übertragung sozialempirischer Methoden und Ansätze auf dogmatisch-theologische Denkfiguren. Für die Frage nach der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn aus dem Forschungsobjekt Kirche boten ge-rade die Feldstudien eindrückliche Einblicke in Prozesse der Deinstitutionalisierung bzw. des or-ganisationalen Wandels von Großorganisationen.

Die Teilnehmer*innen sprachen sich für eine Wiederholung der Veranstaltung in nach etwa 2 Jah-ren mit eventueller thematischer Zuspitzung aus. Die Verantstalter*innen bedanken sich für die engagierten Beiträge aller Beteiligten.

Miriam.zimmer@rub.de

simon.ruscher@frias.uni-freiburg.de

Bericht zum 1. Workshop des AK am 13. und 14. September 2018

Qualitative Methoden in der Netzwerkforschung

Konstitutive Tagung des Arbeitskreises Qualitative Methoden in der Netzwerkforschung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung (DGNet) am 13. und 14. September 2018 am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Regensburger Str. 100 E010, 90478 Nürnberg

Qualitative Methoden und gemischt-methodische Ansätze sind von jeher ein wichtiger Teil der Netzwerkforschung, wenngleich sie lange Zeit nicht im Zentrum der Methodenentwicklung standen. Seit einigen Jahren wächst jedoch ein lebhafter werdender Diskurszusammenhang, der den Wert qualitativer Verfahren der Datenerhebung und -auswertung für die Netzwerkforschung betont und der neue Wege bei der Verknüpfung verschiedener Datenformate, Methoden und Methodologien beschreitet. Die zweitägige Tagung des Arbeitskreises „Qualitative Methoden in der Netzwerkforschung“ der DGNet am 13. und 14. September in Nürnberg hat diesen Diskurs zur qualitativen Netzwerkforschung aufgegriffen. Zu insgesamt zwölf Vorträgen kamen Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, darunter Vertreter*innen der Wirtschafswissenschaften, Soziologie, Erziehungswissenschaften, Philosophie und Religionswissenschaften.

Im Eröffnungsvortrag der Veranstaltung sprach sich Christian Stegbauer für die Berücksichtigung der Situation als konstitutiver Einheit von Netzwerken aus. Zur Verdeutlichung rekurrierte er auf eine mikrosoziologische Studie von Weinproben. Die nachfolgenden Vorträge wurden zu insgesamt fünf Themenschwerpunkten zusammengefasst (s. das Programm der Tagung), die nun kursorisch vorgestellt werden sollen: Ein Schwerpunkt formierte sich um den Einsatz visueller Methoden in der Netzwerkforschung. Hier präsentierten Andrea Dlugosch und Lea Thönnes eine videobasierte qualitative Methode zur Erhebung und Auswertung von Netzwerkdaten. Mir ihrer ViQuaNet-Methode entwickeln sie gängige visuelle Ansätze im Anschluss an sequenz- und videoanalytische Verfahren weiter. Im Schwerpunkt ‚Text und Netzwerk‘ stellte Julia Thibaut ihre Studie zu einer Organisation zur ehrenamtlichen Unterstützung von Geflüchteten durch Patenschaften vor. Dabei zeigte sie u.a. wie sich Netzwerke und soziale Medien in einer ethnographisch-netzwerkanalytischen Studie zusammendenken lassen. Im Schwerpunkt „Method(olog)ische Reflexionen“ vermaßen Christopf Heckwolf und Matthias Dorgeist das Spannungsfeld zwischen interpretativem und netzwerkanalytischem Paradigma, in dem man sich bei der Auswertung von narrativen Interviews bewegt. Ihr Interesse galt dabei insbesondere der Frage, wie man die Vorteile der qualitativen Herangehensweise nutzen könne ohne dabei die Vorteile der formalen Netzwerkanalyse aufgeben zu müssen.

An dieser Frage setzte auch der fünfte und letzte Themenschwerpunkt der Tagung zum Verhältnis von formaler und verstehender Netzwerkanalyse an. Einblicke in die Entwicklung eines Visualisierungsprogramms dynamischer, relationaler Daten gab Florian Windhager. Im diesem Zusammenhang wurde die Frage diskutiert, inwieweit die multiperspektivische und dreidimensionale Darstellung von diachronen Netzwerken für die Analyse und Ergebnisdarstellung qualitativer Netzwerkanalyse hilfreich sein könnten. Neben den Fachvorträgen fand auf der Tagung auch die konstituierende Sitzung des Arbeitskreises statt. In der Sitzung wurde ein Kümmerkreis aus insgesamt sechs Personen und einem Sprecher eingerichtet und die Planung künftiger Tagungen in Angriff genommen.

Edgar Hirschmann und Stefan Bernhard

Das Paradigma der Relationalität

Bericht zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung

Montag, 3. - Dienstag, 4. Dezember 2018

Tagungsprogramm

Beziehungen sind die Grundlage der Netzwerkforschung. Diese interessiert sich für Strukturen von Beziehungen, deren Entstehung, deren Wirkung und den Möglichkeiten solche Beziehungsmuster zu beeinflussen. Hält man konsequent an diesen Inhalten fest, kommt man zu dem Ergebnis, dass eine grundsätzliche Veränderung der Methoden und der Theorien in der Sozialwissenschaft notwendig sind. Es entsteht ein eigenes Paradigma, das der Relationalität.

Aus der Perspektive der Netzwerkforschung verschieben sich die Grundlagen der Sozialwissenschaft, hin zu einer nur noch auf die Relationen achtenden Wissenschaft, die auf bereits fixe Entitäten keine Rücksicht mehr nehmen kann. Alles, was an Entitäten vorhanden ist, entstand und entwickelt sich weiter mit und durch Beziehungen.

Inwieweit diese Überlegungen tatsächlich zutreffen, wurde auf der Tagung kontrovers diskutiert. Der Konstanzer Politikwissenschaftler Volker Schneider widersprach einer zu pointierten Ansicht. Wir alle hätten es mit Entitäten zu tun, von denen viele nicht mehr beeinflussbar seien. Wenn wir etwa an zahlreiche gesellschaftliche Institutionen denken, mit denen wir umgehen müssen, die als solche aber nicht verhandelbar seien.

Dieser Ansicht stellte Roger Häußling Ideen zur Digitalisierung, die eben auch ein relationales Phänomen seien, entgegen. Er argumentierte aus Sicht eines strikten methodologischen Relationalismus.

Im Kreise der Netzwerkforschung weniger umstritten mag sein, dass Entitäten, die uns im Moment nicht veränderbar erscheinen, ebenfalls relational entstanden sind. Manche dieser Gebilde verändern sich, aber nur auf lange Sicht. Sie sind nicht direkt Aushandlungen zugänglich. Der methodologische Relationalismus müsste also beides berücksichtigen: Erstens die Tatsache, dass die soziale + technische Welt um uns herum relational konstruiert wurde und zweitens dass die Ungleichzeitigkeit der verschieden institutionalisierten Konstrukte, nicht alles gleichermaßen verhandelbar macht. Gerade die Gewissheiten, welche Institutionen bieten, ermöglichen andere relationale Konstruktionen erst.

Diese Debatte wurde später durch Malte Ebner von Eschenbach zusammen mit Carolin Alexander wieder aufgenommen und von Ortfried Schäffter weitergeführt. Die beiden Vorträge bezogen sich auf den Beziehungsphilosophen Julius Jakob Schaaf.

Weitere Vorträge, etwa der von Claudius Härpfer und der von Katrin Hirte stellen mehr grundsätzliche Fragen, etwa, inwieweit man bei der Netzwerkforschung überhaupt von einem eigenen Paradigma sprechen könne. Julia Thibault präsentiert Nachdenkliches über die Phänomenologie des Relationalismus und Athanasios Karafilidis widmet sich der Relationsmustererkennung.

Die Keynote der Tagung wurde von Jana Diesner (University von Illinois in Urbana-Champaign) gehalten. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, wie Daten aufbereitet werden müssen, damit sie zu belastbaren Ergebnissen führen. Das Beispiel, an dem sie das ausführt, ist die Zuordnung von Namen zu Personen. Das ist für die Netzwerkforschung von großer Bedeutung, denn sonst werden die in die Analysen eingeführten Knoten auf falsche Weise konstruiert. Das kann geschehen, wenn verschiedene Personen mit gleichen Namen zu einem Knoten zusammengefasst werden oder wenn eine Person über mehrere „Identitäten“ verfügt.

Sprachliche Konstrukte spielen eine Rolle hinsichtlich der Uneindeutigkeit der Zuordnungen der Entitäten. Wie komplex sprachliche Netzwerke sein können, damit beschäftigt sich Alexander Mehler. In seinem Vortrag geht er auf die komplexe über mehrere Ebenen zu konstruierenden Saussureschen Netzwerke ein. Sven Banisch stellt aus der Perspektive verschiedener Disziplinen dar, wie vielfältig Netzwerke konstruiert werden können.

Aspekte von Organisationen und deren Zusammenarbeit werden in einer weiteren Session zusammengetragen. In einem Vortrag von Diana Fischer, Kathrin Eismann und Kai Fischbach werden relationale Überlegungen zur Entwicklung einer App dargestellt, die versucht, die Koordination von Hilfsorganisation im Krisenfall zu verbessern. Mit Problemen des Quartiersmanagements durch unterschiedliche Eingriffs- bzw. Verwaltungsebenen beschäftigt sich das Referat von Michael Noack. Mit der Struktur eines Tauschrings setzt sich der Beitrag von Jakob Hoffmann und Johannes Glückler auseinander.  Die Untersuchung der Tauschgemeinschaft fokussiert auf die Dynamik der Beziehungen. Trotz der Fluktuation verfügt der Ring über ein Zentrum-Peripherie Beziehungsmuster mit stabilem Zentrum und auch einer stabilen Peripherie.

Die Bedeutung des Raumes in dem sich verschiedenste Beziehungen entfalten, ist das Thema einer weiteren Session. Hier überlegt Per Kropp, der Pendlerforschung betreibt, auf welche Weise diese am angemessensten analysiert werden können. Die meisten gängigen Maße sind hierfür nicht wirklich gut geeignet. Mit dem öffentlichen Nahverkehr beschäftigt sich der Beitrag von Klaus Liepelt, Sebastian Leuoth und Haiko Lietz. Hier wird der Versuch gemacht, Analysen für Nahverkehrsgesellschaften auf eine relationale Weise durchzuführen. Als Knoten werden hierbei Ruhepunkte definiert, Kanten sind die Wege zwischen den Ruhepunkten. Die als Flowbile bezeichnete Forschungsarbeit sieht sich als Alternative für die kaum mehr praktikablen Befragungen via Telefon. Hier ein Zitat aus dem Vortrag: „Nichts geht mehr auf dem Königsweg“. Jan Delhey, Monika Verbalyte, Auke Aplowski und Emanuel Deutschmann zeigen auf, wie sehr in Europa grenzüberschreitende Interaktionen angewachsen sind. Forschungsfragen hierbei sind, inwieweit die Intensität der Vergesellschaftung in Europa sich verändert hat, und wie die europäische Vergesellschaftung strukturiert ist. Phillip Roth stellt in einem weiteren Vortrag fest, dass sich die Partnersuche von Unternehmensgründern ganz unterschiedlich darstellt, je nachdem ob es sich um ein Start-up oder ein Spin-off handelt.

Mit digitalen Lernwelten insbesondere in der Hochschulbildung  befasst sich der Vortrag von Cathleen Stützer. Wie Netzwerkforschung in der Ausbildung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gelehrt werden kann, ist das Thema von Elke Hemminger. Mit organisationalem Lernen beschäftigt sich Joshua Dohmen.

Kultur und die Herausbildung von kulturellen Bewegungen ist das Thema der folgenden Session. Hier untersucht Meike Beyer die Beziehungsstrukturen der Futurismusbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hierbei greift sie auf die Bestände des Archivs der Avantgarden der staatlichen Kunstsammlung in Dresden zurück. Katharina Burgdorf wertet für die Analyse der Bewegung des „New Hollywood“ die Internet Movie Database aus. Mit Hilfe dieser Datenbank kann sie ein Zitationsnetzwerk zwischen unterschiedlichen Filmen und ihren Regisseuren konstruieren. Christian Stegbauer trägt eine gemeinsam mit Studierenden erarbeitete Untersuchung zur Relationalität von Bekleidung vor. Elena Kaip interessiert sich für die Vernetzung zwischen Menschen und Dingen in städtischen Räumen.

Die nächste Sitzung beschäftigt sich mit der Frage inwiefern Gesundheit mit Relationen zusammenhängt. Niko Kern erklärt, dass sich chronische Schmerzen aus drei zusammen wirkenden Faktoren zusammensetzen: dem biologischen Körper und psychischen und sozialen Faktoren. Im Vortrag wird aufgezeigt, dass Eingebundenheit in die Therapiegruppe bei der Bewältigung der Schmerzen hilft. Holger von der Lippe (zusammen mit Martin Herfurth und Nina Löschinger) betrachtet Netzwerkstrukturen und deren Effekte auf das Gesundheitsverhalten junger Erwachsener. Schließlich betrachtet Lea Ellwardt zusammen mit Carlos F. Mendes de Leon die positive Wirkung der sozialen Integration in Beziehungen. Bei einer guten sozialen Integration werden die Menschen älter. Die Eingebundenheit in Beziehungen wirkt deutlich stärker als der Verzicht auf gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen (etwa Alkoholgenuss oder Übergewicht).

Die letzte Sitzung der Tagung wurde etwas kryptisch mit „Raum und Prozess“ überschrieben. Herbert Schubert setzt sich mit Verfahren der Netzwerkentwicklung in Kommunen auseinander. Ein weiterer Beitrag zur Verkehrsforschung kommt von Klaus Liepelt, Thomas Köhler, Katy Börner, Markus Schubert und Röbbe Wünschiers. Er zeigt auf, welche neuen Beobachtungen durch die Untersuchung des Nahverkehrs durch Wegetracking mittels einer App möglich geworden sind. Einblicke in Verkehrsrelationen bis in kleine Wohneinheiten können dadurch gewährt werden. In einem weiteren Referat untersucht Robert Panitz gemeinsam mit Johannes Glückler, inwieweit sich Unternehmensverlagerungen im Zuge des Brexit aus Netzwerkbeziehungen erklären lassen. Gerhard Fuchs überlegt, inwieweit eine relationale Soziologie dazu beitragen kann eine neue Wirtschaftssoziologie zu begründen.

Die Tagung bestand aus 35 sehr kurzen zehnminütigen Vorträgen. Der Tagungsablauf wurde so konstruiert, dass alle Teilnehmenden die Chance hatten auch alle Beiträge zu hören. Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit der Schader-Stiftung in deren Räumen durchgeführt. Die Deutsche Gesellschaft für Netzwerkforschung ist explizit interdisziplinär aufgestellt. In der Praxis konkurrieren disziplinäre „Zwänge“ mit denen des Zusammenkommens unterschiedlicher Disziplinen. Ein Aspekt einer solchen Tagungsregie mit kurzen Vorträgen in nur einem Panel sollte sein, dass ein Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen möglich wird.

Die Kürze der Beiträge ist relativ ungewöhnlich und ist gelegentlich auch der Kritik ausgesetzt, denn eine wirklich tiefe Auseinandersetzung mit einem Thema ist in diesem Format kaum möglich. Andererseits reichen die wenigen Minuten, um einen Einblick in Themen und forscherische Zugänge zu bieten. Das ist genug um voneinander zu lernen und stellt auch schon einen Anlass dar, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Viele Teilnehmende äußerten sich positiv zu diesem Format. Zur Tagung kamen insgesamt etwa 75 Teilnehmende.

Am Spätnachmittag des ersten Tagungstages fand außerdem die Jahresmitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung statt. Weiterhin wurde den Arbeitskreisen die Möglichkeit für Strategiedebatten am frühen Morgen des zweiten Tagungstages eingeräumt.

Die Tagung zeigte auf, wie sehr sich die Netzwerkforschung in den letzten Jahren entwickelt hat. Sie greift Platz in immer mehr wissenschaftlichen Disziplinen. In manchen, so ist absehbar wird sie sogar zu einem Hauptstrang der Forschung werden. Die Netzwerkforschung ist sehr breit aufgestellt. Zu sehen, was die Forschungsthemen sind und wie diese bearbeitet werden, gerade auch in anderen Disziplinen, bringt einen Gewinn für die Übertragung von Ideen. Insofern sind viele Teilnehmende nicht nur mit neuen Bekannten, also einer Erweiterung  ihres eigenen Netzwerks nach Hause gefahren; sie haben auch zahlreiche Anregungen mitgenommen, die der eigenen Arbeit zu Gute kommen können.

Christian Stegbauer

Zweiter Workshop des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung, 2018

Auf Einladung des Lehrstuhls für Mikroökonomik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena trafen sich am 27. und 28. September 2018 Netzwerkforscherinnen und Netzwerkforscher aus verschiedensten sozialwissenschaftlichen Disziplinen (u.a. Soziologie, Pädagogik, Kulturwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Theologie, Geographie und Wirtschaftswissenschaften) zu einem wissenschaftlichen Workshop des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung in Jena. Neben den Mitgliedern des Arbeitskreises folgten auch Mitglieder des interdisziplinären Schumpeter-Zentrums zur Erforschung des sozialen und ökonomischen Wandels der Friedrich-Schiller-Universität Jena der Einladung. In zwölf Fachvorträgen wurden inter- und intraorganisationale Netzwerke aus unterschiedlichen Perspektiven mit einem breiten Mix an Methoden analysiert, sodass die Teilnehmer vielfältige Einsichten in das Feld der der Organisatorischen Netzwerkforschung in Deutschland gewinnen konnten. Die Vorträge umfassten theoretische und konzeptionelle Arbeiten sowie empirische und explorative Analysen in diversen Kontexten. Wiederkehrende Themen und Fragenkomplexe waren u.a. Unternehmensnetzwerke in Clustern und regionalen Innovationssystemen, informelle Netzwerke und deren Einfluss auf unternehmerisches Handeln, Einfluss von Politik auf Netzwerke und Netzwerke der sozialen Arbeit. In der Abschlussdiskussion hoben die Teilnehmer explizit die Vielfalt der Perspektiven und angewandten Methoden als Stärke des Arbeitskreises hervor und äußerten den Wunsch nach Verstetigung der Treffen. Im nächsten Herbst 2019 wird das Team um Prof. Roger Häußling am Lehrstuhl für Technik- und Organisationssoziologie der RWTH Aachen das dritte Treffen des Arbeitskreises organisieren. Mitglieder der DGNet ebenso wie alle an der Netzwerkforschung Interessierte sind herzlich eingeladen, sich dem Arbeitskreis zum Austausch und zur Zusammenarbeit in der organisatorischen Netzwerkforschung anzuschließen.

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Tagungsbericht Kultur, Stadt und Netzwerke. Positionen, Verhältnisse und Herausforderungen für die Netzwerkforschung 18.-19. Januar 2018, Darmstadt von Martin Stark, Meike Beyer und Philip Roth


Am 18. und 19. Januar 2018 fand ein gemeinsamer Workshop den Arbeitskreisen „Kultur und Netzwerke“ und „Stadt, Land, Netzwerk“ der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung (DGNet) in Kooperation mit der Schader-Stiftung unter dem Titel „Kultur, Stadt und Netzwerke. Positionen, Verhältnisse und Herausforderungen für die Netzwerkforschung“ im Schader-Forum in Darmstadt statt. Während auf dem gemeinsamen Workshop die thematischen Sessions der beiden Arbeitsgruppen abwechselnd angeordnet waren, um eine gegenseitige Vernetzung der Forscher_innen über ihre Fach- und Themengrenzen hinaus zu ermöglichen und zukünftige Synergien der beiden Arbeitsgruppen auch in Hinsicht auf die übergeordnete Theoriebildung und den Transfer zur Praxis zu explorieren, wurden in diesem Tagungsbericht die beiden von den jeweiligen Arbeitsgruppen verantworte thematischen Blöcke jeweils systematisch einander zugeordnet, um den Leser_innen einen besseren Zugriff auf die sie jeweils interessierenden Ergebnisse des Doppelworkshops zu ermöglichen.
Kultur & Netzwerke
Kulturgenese im Netzwerk
Iris Clemens von der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth konzentriert sich in ihrem Vortrag besonders auf das Phänomen des Transfers von Wissen zwischen verschiedenen Netzwerken. Dabei verweist sie auf differente Arten der Wissensvermittlung anhand des Beispiels der Division im Mathematikunterricht. Sie demonstriert ein bestimmtes Verständnis der Division in Nigeria, welches im Gegensatz zum westeuropäischen Verständnis nicht die Reihe bzw. Serie beim Rechenprozess in den Fokus nimmt, sondern die „Ganzheit“ der Zahl. In dem von ihr vorgestellten Beispiel unternimmt ein (nigerianischer) Lehrer allerdings den Versuch, beide Verständnisformen miteinander zu kombinieren. Daran macht Clemens deutlich, dass Wissen und Bedeutung in erster Linie durch Kommunikation zwischen Akteuren emergieren und, in Anlehnung an Harrison Whites Konzept der Netzwerk-Domäne, an spezifische Netzwerkkontexte gebunden sind. Das bedeutet auch, dass Wissensformen nicht einfach von einem Netzwerk in ein anderes übertragen werden können, sondern es immer zu einer Verschiebung/Anpassung der Bedeutung kommt.
Daniel Reupke, ebenfalls von der Universität Bayreuth, greift als Vertreter des dortigen Forschungsinstituts für Musiktheater die historische Netzwerkforschung als Forschungsansatz auf und stellt exemplarisch seine Untersuchung zu Georg Philipp Telemann I. vor. Davon ausgehend, dass Netzwerke den Fluss und die Ansammlung von
Ressourcen zwischen Akteuren koordinieren und Kultur, in Anlehnung an Alfred Weber (1951) stets in Struktur eingelagert ist, fokussiert er Telemanns Briefkorrespondenzen und kategorisiert diese sowohl auf räumlicher als auch auf inhaltlicher Ebene. Die Netzwerkanalyse als solche dient Reupke als Systematisierungs- und Darstellungswerkzeug bei der Auswertung historischer Quellenkorpora. Die computergestützte Variante ist laut ihm im Bereich der historischen Musikwissenschaft erst wenig entwickelt. So prognostiziert er, dass beispielsweise sogenanntes Chord Labeling die Überführung ganzer OEuvres in Netzwerkvisualisierungen ermöglichen würde.
Christian Stegbauer von der Goethe Universität Frankfurt bezieht sich in seinem Vortrag auf den Kulturbegriff als solchen. Er definiert den Begriff der „Alltagskultur“ als „relationales Bedeutungsgewebe aus Symbolen, Normen, Werten und Routinen“, der ebenso ein gemeinsam geteiltes Wissen voraussetzt. Stegbauer geht davon aus, dass sich divergierende Kulturen im Miteinander konstituieren und unterstreicht das besondere Erkenntnispotential durch die Analyse von Mikrokulturen. Im Zentrum seiner Präsentation steht die „Aushandlung von Kultur“ mittels Weitergabe und Verfestigung in Situationen, sogenannten „chains of situation“. Demnach wäre zu fragen, ob sich gewisse Situationen als besonders produktiv oder unproduktiv für die Kulturentwicklung herausstellen können. Weitere Forschungsdesiderata sieht Stegbauer beispielsweise in der Untersuchung von Übertragungsmechanismen innerhalb von kulturellen Netzwerken, sowie in einer tiefergehenden Analyse der „Types of Tie“. Er plädiert daher für eine stärkere Auseinandersetzung mit Beobachtungen und Experimenten sowie eine Erweiterung der Methodologie der Netzwerkforschung.
Die abschließende Diskussionsrunde beschäftigt sich vornehmlich mit Fragen der Weiterentwicklung von Netzwerken, sowie der Sichtbarmachung von Struktur innerhalb des Netzwerks, sodass sich dieses über ein bloßes Darstellungsmittel hinausentwickeln kann. Während der Netzwerkbegriff in allen Präsentationen vornehmlich auf soziale Netzwerke abzielte, wird im Rahmen der Diskussion auch auf die enge und nur analytisch trennbare Verknüpfung mit kulturellen Netzwerken hingewiesen. Ebenso wird die Notwendigkeit betont, die Begriffe „Bedeutung“ und „Sinn“ als zwei unterschiedliche Analysekategorien zu begreifen.
Kulturelle Eigenlogiken der Netzwerkgenese
Claudius Härpfer vom Institut für Soziologie der Universität Frankfurt untersucht in seinem Vortrag das netzwerktheoretische Potential der frühen deutschen Soziologie. Hierfür konzeptualisiert er Netzwerke – angelehnt an Max Weber – als akkumulierte soziale Beziehungen, die auf wechselseitigen Erwartungen beruhen. Individuen werden dabei als Träger und Vermittler von Kultur verstanden, wodurch sie gleichzeitig Einfluss auf die kulturelle Konstitution von Netzwerken nehmen. Laut Härpfer ist die Netzwerkforschung im Sinne einer erkenntnistheoretischen Wirklichkeitswissenschaft, deren Anspruch die begriffliche Fassung gesellschaftlicher Realitäten ist, zu begreifen. Bei dem Versuch, Kultur auch visuell greifbar zu machen, sieht er die mathematische Darstellbarkeit jedoch an ihre Grenzen gebracht und unterstreicht daher die Notwendigkeit vereinfachter Darstellungsmodi.
Sebastian Manhart aus der Abteilung Organisationspädagogik der Universität Trier arbeitet mit dem Begriff der Semiose, um die Luhmannsche Systemtheorie für die Netzwerkforschung fruchtbar zu machen. Dabei begreift Manhart Kulturen als komplexe Polysemiosen, die einer spezifischen, aber zeitlich dynamischen Zeichenregulation und -kombination unterworfen sind. Davon auszugehen, dass das Soziale nur aus Kommunikation bestehe und sich Netzwerke vor allem durch diese konstituieren, greife daher zu kurz. Vielmehr aktualisieren sich Netzwerke fortwährend durch die Verkettung unterschiedlicher Zeichen und Sinnformen, wodurch kontinuierlich neue, sozial innovative Polysemiosen entstehen. Durch
die Anwendung qualitativer und quantitativer Netzwerkforschung, so seine These, können solche polysemiotischen Zusammenhänge aufgeschlüsselt und damit auch das Zusammenspiel von Kulturen besser analysiert werden.
Philip Roth vom Institut für Soziologie der RWTH Aachen argumentiert in seinem Vortrag, dass sich Netzwerkdynamiken besser verstehen lassen, wenn man in Rechnung stellt, dass die kulturspezifischen Regeln der Praxis (geteilte Routinen und Institutionen) auch die Regeln der interaktiven Entwicklung von Beziehungen betreffen. Anhand von empirischen Beispielen führt Roth die konkrete Bedeutung dieses Arguments aus. Im Hinblick auf die Regeln der Partnerselektionsentscheidung plausibilisiert Roth, dass Netzwerkmechanismen wie Clustering, Homophilie und Reziprozität in erheblichem Maße kulturell strukturiert sind. Im Hinblick auf die praktische Konstitution von Beziehungen demonstriert er zum einen am Fall der Anbahnung amouröser Beziehungen zwischen amerikanischen Soldaten und britischen Frauen, wie kulturelle Grenzen die Grenzen von Netzwerken beeinflussen. Zum anderen greift Roth die empirischen Daten aus seinem Promotionsprojekt auf, in dem er das Zustandekommen informeller Konsultationen im Kontext von Innovationsprojekten empirisch untersucht hat ein. Er zeigt am Material erstens auf, dass Gelegenheiten das Zustandekommen von Konsultationsbeziehungen systematisch strukturieren und zweitens, dass die Ansprüche an Gelegenheiten zwischen lokalen Kulturen variieren, sodass auch die Systematik, mit der Gelegenheiten Netzwerkdynamiken strukturieren, kulturspezifisch ist.
Die anschließende Diskussion geht verstärkt auf die Definitionen von „Interaktion“, „Institution“ und „Beziehung“ ein. Außerdem werden forschungsethische sowie methodische Fragen in Bezug auf die Forschung in Großraumbüros geklärt. Erneut wird die Diskussion zu Begrifflichkeiten wie Kultur, Bedeutung und Sinn aufgegriffen.
Kulturelle Bedeutungsstrukturen in Netzwerken
Sven Banisch vom Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften stellt in seinem Vortrag theoretische und methodische Überlegungen sowie erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt ODYCCEUS (Opinion Dynamics and Cultural Conflict in European Spaces) vor. Dabei geht er der Frage nach, wie sich Meinungsbildung und Dynamiken politischer Diskurse anhand textueller Daten mathematisch modellieren lassen. Hierfür orientiert er sich an sozialtheoretischen Ansätzen wie der Spieltheorie oder dem Rational-Choice-Ansatz und wirft die Frage auf, wie sich Kultur im individuellen Verhalten äußert. Er schlägt vor, Kultur als ein internalisiertes Netzwerk aus Bedeutungsrelationen aufzufassen, welches die Wahrnehmung sozialer Situationen sowie die Bewertung der verfügbaren Handlungsoptionen bestimmt. Mit einem agentenbasierten Modell, in welchem Individuen Argumente bezüglich verschiedener Themen austauschen, wird gezeigt, dass Homophilie bezüglich der Einstellungen zu Polarisierung führen kann, selbst wenn die kulturell geprägten Bewertungsstrukturen allen Agenten gemein sind.
Jan Fuhse vom Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin gewährt mit seinem Beitrag Einblick in eine Big-Data-Untersuchung, die sich mit den sozialen und symbolischen Relationen in den Reichstagsprotokollen der Weimarer Republik von 1919-1933 befasst. So werden beispielsweise Reaktionen der Parteien aufeinander analysiert, um im Ergebnis Rückschlüsse auf den damaligen politischen Diskurs ziehen zu können. Fuhse unterscheidet hierbei zwischen kulturellen und sozialen Netzwerken und differenziert zwischen semantischen Beziehungen, sozio-symbolischen Konstellationen und sozialen Beziehungen. Kultur versteht er allgemein als Repertoire an (gemeinsam) verfügbaren und gebräuchlichen Sinnmustern in sozialen Kontexten. Gleichzeitig sieht er Akteure und deren Beziehungen als Träger von Symbolen. Daher plädiert er dafür, im Zuge automatisierter Textanalysen sowohl soziale als auch symbolische Konstellationen zu berücksichtigen.
Haiko Lietz vom GESIS – Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln geht in seinem Vortrag der Frage nach, wie wir zukünftig mit großen Datenmengen und dem massiven Anstieg an digitalen Verhaltensdaten umgehen sollen. Vor dem Hintergrund, dass diese Daten nicht nur Informationen über formale Strukturen, sondern auch über den kulturellen Gehalt von Transaktionen, sogenannte Stories, liefern, stellt er mit dem Jupyter-Notebook ein Anwendungstool vor, das social analytics, cultural analytics sowie individual analytics vereint. Auf der Grundlage von 26.000 Publikationen aus dem Web of Science stellt Lietz die Möglichkeit des Clusterings von Transaktionsstrukturen vor, um diese nach fünf Themenfeldern zu kategorisieren und eine Bedeutungsstruktur zu extrahieren, bzw. diese anschließend grafisch darstellen zu können.
In der anknüpfenden Diskussionsrunde wird sich sowohl über die Operationalisierung von Netzwerken, als auch über die Möglichkeiten einer Ausweitung der vorgestellten Forschungsgegenstände ausgetauscht. Weiterhin finden sich verschiedene Argumentationen bei der Gegenüberstellung von automatisiertem und manuellem Codieren von Daten.
Stadt & Netzwerke
Stadt und Kultur
Christina Herrmann vom Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg greift in ihrem Vortrag die Beziehung zwischen Urbanität und sozialen Kreisen, hier als Synonym zu Egonetzwerken verstanden, auf. Demnach ist Urbanität kein räumlich gebundenes Phänomen, sondern konstituiert sich vielmehr in der Interaktion zwischen Menschen. Der am Beispiel der Heidelberger Bahnstadt durchgeführten n Forschung liegt die Frage zugrunde, wie sich eine urbane Orientierung von Personen auf deren soziale Kreise auswirkt. Herrmann beginnt mit einer begrifflichen Annäherung an Urbanität bzw. Suburbanität unter Bezug auf Simmel und Weber. Anschließend geht sie näher auf ihr methodisches Vorgehen bei der Untersuchung der Offenheit bzw. Geschlossenheit von emotionalen und organisatorischen Netzwerken ein. Herrmann schließt mit der These, dass die Offenheit von Netzwerken mit einem stärkeren Grad an urbaner Orientierung zunimmt.
Julia Dupont vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Frankfurt und Marc-Christian Schäfer von der „wer denkt was GmbH“ Darmstadt beschäftigen sich in ihrem Vortrag mit politischer Teilhabe aus sowohl theoretischer als auch praktischer Perspektive. Dupont nimmt Bezug auf die Debatte um Postdemokratie, die dazu neigt, Demokratie entweder zu verabschieden oder zu verklären. Da der Rückbau politischer Partizipation nicht eindeutig festzustellen ist, plädiert sie im Gegenteil für eine konstruktive Auseinandersetzung, die die gesellschaftlichen Prozesse um Teilhabe weiter beobachtet. Schäfer nimmt die Perspektive des Praktikers ein und evaluiert den partizipativen Ansatz der digitalen Bürgerbeteiligung am Beispiel des Beteiligungsformats für Darmstadt. Demnach ist es Städten durch eine Verbesserung der Bereitstellung von Netzwerkdaten im zunehmenden Umfang möglich, die Bedürfnisse der Stadtbewohner_innen zu erfassen.
Matthias Bixler vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich und Michael Kronenwett von „Kronenwett & Adolphs UG“ stellen ein Projekt im Bereich der Kulturentwicklungsplanung vor. Mithilfe einer Netzwerkanalyse wurde die dezentrale Organisationsform des kulturellen Sektors einer süddeutschen Großstadt erfasst. Der Mixed-Methods-Ansatz des Projektes basiert auf einer qualitativen Bestandsaufnahme durch Interviews mit der Net-Map-Toolbox, einem quantitativen Netzwerksurvey und einer daran anschließenden Analyse durch Cultural Mapping.
In der abschließenden Diskussionsrunde werden die Chancen und Risiken digitaler Bürgerbeteiligung weiter ausdifferenziert. Demnach hängt es von den lokalen Gegebenheiten ab, ob das Potential genutzt wird, die Reichweite zu erhöhen und die Umsetzung des Bürgerwillens zu fördern, oder ob die eigentliche Situation unverändert bleibt.
Stadt und Technologie
Josef Attmann, Vertreter des Open Knowledge Labs Karlsruhe, hält einen Impulsvortrag, in welchem er das „Citizen Knowledge Lab“, ein Produkt der Kooperation des Zentrums für Kunst und Medien mit dem OK-Lab, vorstellt. Inhalt dieses Projekts sind vornehmlich Workshops, welche die digitale Kompetenz der Bürger_innen verbessern möchten und der Frage nachgehen, wie aus unterschiedlichen digitalen Daten von Bürgern ohne Programmierkenntnissen mit der Hilfe einfach zu bedienender [Objekt?] praktisches Wissen gewonnen und dargestellt werden kann, zum Beispiel in Form der Visualisierung eines Stadtteilprofils oder eines Statistikatlasses für die Stadt Karlsruhe.
Xiaoming Fu vom Institut für Informatik der Georg-August-Universität Göttingen stellt sein grundlagenorientiertes Forschungsprojekt zur „socio-economic Status Prediction“ vor. Im Vordergrund seines Forschungsinteresses steht hierbei die Frage, ob Mobilfunkdaten in Verbindung mit Daten aus Sozialen Medien und mit der Hilfe von Data Mining zur Vorhersage des sozioökonomischen Status eines Individuums oder einer Region genutzt werden können. In einem weiteren Schritt fragt er sich, ob diese Vorhersagen wiederum zur Rekonstruktion des sozioökonomischen Profils einer Region oder eines Individuums genutzt werden können.
Petra Grell, Franco Rau und Ilaria Kosubski vom Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt stellen Prozesse der Netzwerkbildung in communitybasierten Smartphonespielen anhand der Augmented Reality Games Ingress und Pokemon GO vor. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Bedeutung von Spielen als Mittel des Kennenlernens einer Stadt und zur Kommunikation mit Mitspieler_innen aus einer pädagogischen Forschungsperspektive. Der Begriff der Augmented Reality wird mittels dieses Ansatzes erweitert und umfasst nun sowohl den Raum, also auch den Aspekt des Sozialen, was Grell und ihr Team als „Layered Reality“ bezeichnen.
Karoline Krenn vom Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme in Berlin präsentiert methodische und ethische Überlegungen zur Positionierung der Netzwerkforschung im Kontext von Smart Cities und Big Data. Dabei thematisiert sie besonders die Frage der Forschungsethik, bzw. widerstreitender Interessen der Technologiegestaltung gegen wahrgenommene Bürgerrechte. Ebenfalls Thema ist der Datenschutz, sowie das Interesse der kommerziellen Nutzung von Daten im Gegensatz zu kommerziellen Interessen. Sie fordert einen offeneren Umgang mit Limitationen bei der Nutzung von Daten, jedoch ebenfalls eine ausdrückliche forschungsethische Strenge.
Regina Gaitsch und Alexander Mehler von der Fakultät für Informatik und Mathematik der Goethe-Universität Frankfurt stellen ihre Forschung zu wiki-basierten Zugängen zu kollektiven mentalen Karten als Modelle der Stadtgeographie vor. Das am Beispiel von Stadt- und Regionalwikis vorgestellte Modell, welches nach Themengebieten und deren Vernetzung untereinander klassifiziert, erlaubt eine Darstellung von „mental maps“. Darunter sind mentale Repräsentationen geographischer Räume zu verstehen. Laut Mehler sind auch andere Daten, jenseits von Wikis, wie beispielsweise von Plattformen wie Facebook oder Twitter für zukünftige Datenanalysen im Rahmen des Projektes von Interesse.
Abschließend findet eine weitere Diskussionsrunde statt, welche vor allem nochmals den Datenschutz, am Beispiel der Datenschutzgrundverordnung der EU, in den Fokus nimmt. Krenn weist darauf hin, dass Regulierung nicht nur als Einschränkung, sondern auch als Chance begriffen werden kann.
Stadt und Planung
Yvonne Haffner und Lena Loge vom Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt führen in ihrem Vortrag konzeptionelle Überlegungen zu milieuspezifischen Netzwerken von Stadtbewohner_innen aus. Milieu definieren sie im Sinne Bourdieus als bestimmte Position im sozialen Raum, die von einer sozialen Gruppe geteilt und maßgeblich durch den Habitus bestimmt wird. Die aus dem Sozialraum resultierenden milieuspezifischen sozialen Praktiken konstituieren wiederum das Netzwerk. Da sich laut Haffner und Loge aber nicht nur verschiedene Milieus, sondern auch bestimmte Geschlechtsvorstellungen in Netzwerken festigen, ist die Analyse des Sozialraums der des reinen geographischen Raums vorzuziehen.
David Heimann vom Institut für Geographie der Universität Osnabrück beschäftigt sich anschließend mit Governanceaspekten im Kontext der nachhaltigen Aufwertung städtischer Gewerbegebiete. Da über die soziale Netzwerkanalyse verschiedene Stränge der Transitionsforschung zusammengeführt werden, trägt dieser integrative Ansatz zu einem tieferen Verständnis von Prozessen des Nachhaltigkeitswandels bei. Heimann unterscheidet zwischen Unternehmens- und Verwaltungsnetzwerken, um die Dynamiken innerhalb und zwischen unterschiedlichen Netzwerken zu analysieren. Gegenstand der Untersuchung sind die Nachhaltigkeitsprojekte, die von beiden Seiten, den Unternehmens- und den Verwaltungsakteuren durchgeführt werden.
Malte Möck vom Institut für Sozialwissenschaften der Technischen Universität Braunschweig betont das Potential der Netzwerkanalyse in der Polyzentralitätsdebatte, sprich in der Untersuchung des Verhältnisses von Städten zueinander. Seinen mathematischen Berechnungen liegt die Unterteilung in (statische) Attributdaten, wie Anzahl an Arbeitsplätzen, und (relationale) Netzwerkdaten, wie Pendleraufkommen, zugrunde. Möck kritisiert, dass sich die Berechnung von Relationalität größtenteils zwar auf Netzwerkdaten stützt, aber diese über Indegree-Werte in Attributdaten transformiert. Er plädiert folglich für die Berechnung funktionaler Polyzentralität durch Netzwerkanalyse.
Miriam Voigt von der Universität Koblenz-Landau thematisiert die Herausforderung von Akteursvielfalt für die regionale Netzwerkgestaltung. Am Beispiel der integrierten Entwicklungsstrategie für die Region Koblenz legt sie dar, wie regionale Governance im Sinne einer systemübergreifenden Zusammenarbeit von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus verschiedenen Theorieperspektiven analytisch gefasst werden kann.
Die abschließende Diskussion geht unter anderem näher auf das Potential des Habitus-Konzepts für die Netzwerkforschung ein. Es wird festgehalten, dass der Habitus anstelle von Struktur als Möglichkeitsraum gedacht werden soll, in den soziale Arbeit bzw. Stadtplanung intervenieren kann.
Zukünftige Themen und Aktivitäten der Arbeitsgruppen „Netzwerke und Kultur“ und „Stadtnetzwerkforschung“
Sowohl die Arbeitsgruppe „Netzwerke und Kultur“ (Sprecher_innen: Banisch, Beyer, Roth, Thibaut) als auch die Arbeitsgruppe „Stadt, Land, Netzwerke“ (Sprecher_innen: Nagel, Heimann, Schmitt, Stark) planen weitere Treffen im einjährigen Turnus. Zudem wollen die
Arbeitsgruppen auf den zukünftigen Konferenzen der DGNet thematische Sessions organisieren. Zudem sollen die Präsenzen der Arbeitsgruppen auf der DGNet-Webseite (https://www.netzwerkforschung.org) in Hinsicht auf Beschreibungen zu den bearbeiteten Themenfeldern und der Bereitstellung von Kontaktdaten für interessierte Forscher_innen und Praktiker_innen ausgebaut werden.

Konstitutive Sitzung des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung, 2017

Am 09. und 10. November 2017 trafen sich Netzwerkforscher aus verschiedensten sozialwissenschaftlichen Disziplinen (u.a. Pädagogik, Psychologie, Informatik, Geographie und Volkswirtschaftslehre) zur konstitutiven Sitzung des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung in Heidelberg. Der Arbeitskreis wurde im Rahmen der ersten Mitgliederversammlung (04. bis 05. Mai 2017) der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung (DGNet) ins Leben gerufen und fördert den Austausch zwischen Netzwerkforschern über Theorien, Methoden und Anwendungszusammenhänge über die Fächergrenzen hinweg. Das Treffen wurde durch den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie in Heidelberg organisiert und vermittelte in zehn Fachvorträgen einen breiten Überblick über die Organisatorische Netzwerkforschung in Deutschland. Die Vorträge umfassten die Themenkomplexe Theorien und Methoden der Netzwerkforschung, kirchliche und ehrenamtliche Netzwerke, intraorganisationale Netzwerke sowie Netzwerke von Organisationen im Raum. In mehreren Diskussionsrunden thematisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedliche Begriffsverständnisse von Netzwerken, Rollen und Positionen, methodische und ethische Probleme des Feldzugangs sowie die Potenziale interdisziplinärer Zusammenarbeit. Im nächsten Herbst 2018 wird das Team um Prof. Uwe Cantner und Dr. Holger Graf am Lehrstuhl für Economics/Microeconomics der Universität Jena das zweite Treffen des Arbeitskreises organisieren. Mitglieder der DGNet ebenso wie alle an der Netzwerkforschung Interessierte sind herzlich eingeladen, sich dem Arbeitskreis zum Austausch und zur Zusammenarbeit in der organisatorischen Netzwerkforschung anzuschließen.

Teilnehmer des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung 2017 in Heidelberg ©  Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie, Universität Heidelberg

Teilnehmer des Arbeitskreises Organisatorische Netzwerkforschung 2017 in Heidelberg
©
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie, Universität Heidelberg

Kontakt

Prof. Dr. Johannes Glückler (Heidelberg)
Email: glueckler(at)uni-heidelberg.de
Dr. Robert Panitz (Heidelberg)
Email: panitz(at)uni-heidelberg.de

Call for Abstracts

Auf der ersten Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung in Aachen (4./5. Mai 2017) hat sich der Arbeitskreis „Organisatorische Netzwerkforschung“ gebildet. Die Initiativgruppe des Treffens in Aachen lädt hiermit zu einem ersten Workshop ein, zu dem alle Netzwerkforscherinnen und -forscher, ausdrücklich auch Nicht-Mitglieder der DGNet herzlichst eingeladen sind.

Der Workshop findet vom 09. bis zum 10. November 2017 in den Marsilius Arkaden, Seminarraum II der Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 130.1, 69120 Heidelberg statt.

Das Ziel des ersten Workshops ist eine Bestandsaufnahme der Erkenntnisse und Forschungserfahrungen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und der Praxis netzwerkbasierter Beratung und Organisationsentwicklung. Hierfür bitten wir um Beiträge mit netzwerktheoretischen, -analytischen und –praktischen Fragestellungen in organisatorischen Kontexten. Diese sollen eine Grundlange zum Austausch, zur Sammlung und zur Entwicklung von zukünftigen Forschungsinteressen bilden. Ferner streben wir auf dem Workshop an, konkrete Initiativen und Formate für die Zusammenarbeit im Arbeitskreis zu entwickeln.

Bereits der erste Workshop in Aachen hat zur Identifizierung einer Reihe von wichtigen Schnittstellen und Spannungsverhältnissen in der organisatorischen Netzwerkforschung geführt. Neben vielen weiteren Themen verfolgen wir mit dem Workshop den Austausch und die Diskussion zu folgenden Aspekten:

  • Wie leistungsfähig sind Methoden qualitativer und quantitativer Erforschung organisatorischer Netzwerke?
  • Wie können wir die Kluft zwischen der Erklärung und der Gestaltung von Netzwerken und Netzwerkeffekten überwinden?
  • Wie sehr sind Netzwerke von Selbstorganisation oder Fremdsteuerung bzw. Abhängigkeit von Umweltfaktoren in Ihrer Funktion und Entwicklung geprägt?
  • In welchem Verhältnis stehen intra- und inter-organisatorische Beziehungsebenen?
  • Welche Rolle spielen neue Organisations- und Interaktionsformen für die organisatorische Netzwerkforschung?
  • Welche ethischen Herausforderungen sind in der organisatorischen Netzwerkforschung zu bewältigen?

 

Angebote für Kurzvorträge zu dem Workshop mit Kurzzusammenfassungen (Abstracts) von maximal 200 Wörtern senden Sie bitte bis zum 15. Oktober 2017 an Ute Bechberger (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie). Abhängig von der Anzahl der eingesendeten Vortragsangebote wird die Vortragszeit zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Es soll in jedem Falle auch Zeit für gemeinsame Zusammenarbeit jenseits von Kurzvorträgen bleiben.

Zur besseren Planung bitten wir Sie auch ihre Teilnahme jenseits der Vortragsankündigung bis zum 15. Oktober 2017 per Email an Ute Bechberger (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie) anzumelden.

Aktuelle Publikation

Symposium: Was ist Netzwerkforschung? Soziologie 46(1):17-61

Gegenwärtig wird soziale Netzwerkforschung aus den vielfältigsten Perspektiven und in den unterschiedlichsten Disziplinen betrieben. Dabei divergieren die Frage­stel­lungen und Annahmen, sowie die methodischen Vorgehensweisen zum Teil deut­lich. Die elf Beiträge dieses Symposiums umreißen aus ganz unterschiedlichen Fä­chern und Richtungen ihre Sichtweise auf Netzwerkforschung: Soziologie, Poli­tik­wissenschaft, Ethnologie, Geographie, Stadtforschung, Erziehungswissenschaft, Wirt­schaftsinformatik und Computerlinguistik. Sie zeigen einerseits aktuelle Trends in der sozialen Netzwerkforschung auf und leuchten andererseits neben der dis­ziplinären Pluralität auch die methodische und epistemologische Vielfalt der For­schung zu Netzwerken aus. Das Symposium hat seinen Ausgangspunkt in der Ini­tiative Netzwerkforschung interdisziplinär. Diese will Vorteile wie Her­aus­for­de­run­gen interdisziplinärer oder auch transdisziplinärer Netzwerkforschung dis­ku­tie­ren und entsprechende Kooperationen unterstützen.

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